Streiflichter aus der Geschichte der Kammergesellschaft

aufbereitet von Harold de Globetrotter

Ursprünge bis weit in die Vorgeschichte (Genesis 7,1 bis 9,17)

Als nach der Sündflut das Wasser abnahm, blieb die Arche Noah am Erdmannlistein hängen. Zwei Söhne Noahs und zwei Mägdlein konnten aus der Arche entwischen und fanden oberhalb von Wohlen eine Geiss und einen Bock. Sie gründeten daher eine Geissenkolonie. Die Hütte, um die sich die Geissenkolonie bildete, war die ursprüngliche Kammer.

Gründung im Jahre 1830

Mit Sicherheit ist bekannt, dass im Jahre 1830 die Kammergesellschaft gegründet wurde, jedoch wurde das erste Protokoll ein Raub der Flammen. Geburtsstädte war eine Kammer in der südlichen Wohnung eines dreiteiligen alten Strohhauses an der Oberdorfstrasse, die damals im Besitze der Gebrüder Weber war und später von einer gewissen Witwe Huwiler, Spengler’s erworben wurde.

Schlacht um die Horburg 1836

Die Kammer in der Geissengasse stand im permanenten Streit mit dem Herrn auf der benachbarten Horburg (Hoburg), der ihre Rechte und ihr Eigentum zu schmälern suchte. Unter dem Marschall Laurentius und Feldzeugmeister von Wietlisbach mit Gitzi, Geiss und Bock und einem furchtbaren Heere wurde die Feste Horburg während drei Tagen sechs Monate lang belagert und schliesslich erstürmt.

Verlust des Gründungshauses 1861

1861 musste die Gesellschaft ihren ursprünglichen Sitz verlassen. Die Gebrüder Wietlisbach gaben im nördlichen Hausteil des gleichen Hauses ihr Unterkunft „solange sie keine Wiege in der Stube brauchen“, beitragsfreie Unterkunft. Auch dieses Versammlungslokal wurde später gekündigt, worauf das Mitglied Bierbrauer Hunn in uneigennütziger Weise der Gesellschaft anerbot, in seiner Wirtschaft (später Restaurant Flora) gratis eine Logis zu haben. Versammlungen fanden in der Bierbrauerei Hunn, später im Gasthaus zum Bären und in anderen Wirtschaftslokalen statt.

Anfänge des Kammerballs

Von Anfang an durfte an jeder Fasnacht der übliche Kammerball nicht fehlen. Er nahm bescheidene Anfänge. Am Güdismontag 1863 fand er in der Bierbrauerei Hunn statt. Im folgenden Jahr am Schmutzigen Donnerstag im Gasthaus zum Bären. An diesem Abend fand die Krönung des Königs von Schreckenstein statt. Die Ballrechnung schloss mit einem Defizit von Fr. 19.50 ab. Im Jahr 1865 wurde am Güdismontag sogar ein Abstecher in die Krone Bremgarten gemacht und dort der Ball veranstaltet. Bis 1891 wurde beschlossen, den Kammerball in Zukunft jeweils am Güdismontag im Bären stattfinden zu lassen. Erst im 21. Jahrhundert wurde er auf den Fasnachtssamstag verlegt.

Statuten von 1846

Die Statuten von 1846 sahen folgende Aemter vor:

– 1 Marschall für das Militär aussen;
– 1 Präsident und 1 Vizepräsident;
– 1 Ammann und 4 Mitglieder als Gesellschaftsvorstand, und Rath
– 1 Friedensrichter
– 1 Weibel
– 1 Domänenverwalter (über jede Provinz)
– 1 Ohmgeldner
– 1 Fleischschätzer.

Bis im Jahre 1880 leitete der Ammann die Versammlungen, nachher fiel dieses Amt weg. In der Folge wurden zusätzliche Aemter ausgestaltet, wie beispielsweise Feldprediger, Doktor, Apotheker, Fleischschauer und der Verwalter über die Güter im Ritzi, Rigelweid, Belliken, Wibisguet und die Fischenz im Egelsee. Diese Chargen bestehen heute noch und müssen jeweils an der alten Fasnacht Rechenschaft ablegen.

Abspaltung der Strohheimergesellschaft

Anfangs der 1880er-Jahre trennte sich eine Anzahl jüngerer Mitglieder von der Kammergesellschaft ab und bildeten zunächst eine besondere Gesellschaft, die Neukammer, die später zur Strohheimergesellschaft wurde. Bierbrauer Hunn händigte ihnen sogar das Gesellschaftsbanner aus, welches erst 1930 wieder zur Kammergesellschaft zurückkam.

Gesellschaftliches Leben im 19ten Jahrhundert

An der Fasnacht, der Organisation des Kammerballes fanden zahlreiche weitere Familienfeste und Veranstaltungen statt. Beliebt waren die sogenannten Ausmärsche in verschiedene Wirtshäuser der Umgebung, wie das Rössli in Bünzen, die Sonne in Dottikon, der Hecht in Rottenschwil, das Kreuz in Berikon, die Krone in Bremgarten und der Elefant in Hilfikon. Als endlicher Zweck der Gesellschaft wurde in den Statuten festgehalten, ihren abgestorbenen Mitgliedern die gebührende Ehre zu erweisen. Es war Pflicht bei Androhung einer Busse sonntäglich angezogen zum Begräbnis zu erscheinen.

Die Kammergesellschaft am Fasnachtsumzug 1924
Kammerball im 20.sten Jahrhundert

Trotz zweier Weltkriege fand der Kammerball jedes Jahr statt. Die Kammergesellschaft beteiligte sich an den Fasnachtsumzügen und führte zahlreiche Ausflüge mit ihren Mitgliedern durch. 1954 wurde die Anschaffung eines einheitlichen grauen Zylinders beschlossen.

Ehrenkammerer seit 1964

Zunächst wurde ab 1963 bestimmt, den Alterspräsidenten mit der Kutsche zum Kammerball abzuholen. Auch wurde die Anschaffung eines Fracks in den Farben blau und rot beschlossen. In der Ballversammlung vom 10. Januar 1964 gab der Vorsteher des Ballkomites bekannt, der Kammerherr, welcher jeweils am Güdismontag abgeholt werden soll, heisse von nun an Ehrenkammerer. Der erste Ehrenkammerer war Walter Hiller. Später wurde auch die Anschaffung eines neuen Kostüms für den Ehrenkammerer sowie Spezialzylinder und Holzstab angeordnet. Das Zepter wurde am 14. Februar 1966 dem neuen Ehrenkammerer übergeben. Seither wird jeweils im Januar jeden Jahres an der sogenannten Inthronisation der jeweilige neue Ehrenkammerer proklamiert. Wer dies ist, wissen vorher nur der Gewählte selber und der Präsident sowie der Zeremonienmeister. Bis heute ist es jeweils gelungen, den mit Spannung erwarteten Namen des neuen Ehrenkammerers bis zu seiner Inthronisation geheim zu behalten.

(Quellen:
G. Wiederkehr Jubiläumsschrift 1930
Hans Hufschmid 150 Jahre Kammergesellschaft 1979)

Menü